Geoarchäologie

Die Geoarchäologie beschäftigt sich mit der Rekonstruktion historischer und prähistorischer Landschaften mit geowissenschaftlichen Ansätzen und Verfahren, wobei auch geographische, geomorphologische, boden- und siedlungsgeographische Elemente eingebunden werden.

Archäologische Erkenntnisse stehen dabei im Vordergrund. Die Entwicklung von Modellen und Zeitschnitten, zusammengesetzt aus inter- und trans-disziplinären Forschungsergebnissen trägt dazu bei, unsere Geschichte zu verstehen. Kein Artefaktensammeln, sondern ein Begreifen des Warum und dem Entwickeln einer tiefgreifenden Vorstellung vergangener Kulturen in ihrem jeweiligen Lebensraum ist Ziel der Forschungen.

Die Anwendungsgebiete der Geoarchäologie sind vielfältig. Küstenraum-Rekonstruktionen über tausende Jahre aus sedimentologischen Daten holozäner Ablagerungen, Herkunftsbestimmungen unterschiedlichster Siedlungsfundobjekte und deren Verbreitung sind Bereiche, die am Boden oder zu Wasser durch Kartierungen gestützt und geophysikalische Erkundungen gefestigt werden, aber auch durch die vielseitigen Möglichkeiten des Datenprozessings multibandiger Satellitendaten maßgeblich unterstützt werden und dabei – wenn es um jüngere Strukturen geht – immer auf den historischen Quellen basierend ein interdisziplinäres Fortschreiten darstellt.

 

 

Wir arbeiten an verschiedenen Projekten weltweit, dieses Verstehen herbeizuführen, sei es dem Verständnis mariner und terrestrischer Handelswege als Ergebnis des damals vorherrschenden Geoklimas, die Verbreitung der „oxhide“-Metallplatten als präpekuniärem mediterranem Tauschmittel, den Auswirkungen und der Rekonstruktion holozäner Tsunamis, dem Verstehen akustischer Phänomene in megalithischen Bauten und deren Nutzung als Kultzentren, dem Ineinandergreifen der neolithischen Siedlungsstrukturen und früherer Schifffahrtswege, der Rekonstruktion von Flussläufen (z.B. der Rheinlauf zur Römerzeit) und auch ausgefallenen Themen, wie der Verbreitung kultischer Klangsteine im Neolithikum (England, Deutschland, Sudan, Äthiopien).

Dabei stößt man während der Forschungsarbeiten auf bislang unbekannte oder unbeachtete Phänomene, die überraschen. So lassen sich aus der Rekonstruktion römischer Burgi zur Zeit ab 369 unter Valentinian I. (auch unter Einbindung experimenteller Archäologie) römische Szenarien rekonstruieren, die bei Kenntnis des Flussverlaufs die genauen Standorte weiterer Befestigungsanlagen angeben, die dann gezielt gesucht werden können. Erst die Kenntnis des antiken Flussverlaufs gibt uns die Möglichkeit, das Leben an diesem Fluss in der betreffenden Zeit zu verstehen und auch gezielt nach Siedlungsstrukturen zu suchen, die sich wiederum mit geowissenschaftlichen Mitteln eingrenzen lassen.

In einem anderen Projekt konnten wir bislang unbekannte Befestigungsanlagen aus der Askanierzeit auffinden. Aufbauend auf historischen Daten (Beurkundungen) entsteht so eine Rekonstruktion der regionalen Zusammenhänge der damaligen Siedlungen, Wege und Bewuchsform (Versorgung, Handel),  die die Nutzungspotentiale der Vergangenheit und  die topographischen Veränderungen (geomorphologische Elemente) zugrunde legend, heute aus Digitalen Geländemodellen und Satellitendaten und am Boden mittels archäologischer Untersuchungen bestätigbar sind. Die Kenntnis der „damaligen Landkarte“ mit ihren Siedlungen macht es dann möglich, an z.B. exponierten Stellen Beobachtungturmbauten, oder entlang weiter Verbindungswege Rastplätze gleichsam zu postulieren und gezielt mit modernen Fernerkundungsmethoden zu untersuchen. Gleiches gilt für Hafen- oder Anlegeplätze an heute völlig veränderten Küstenlinien, die man alleine aus der Kenntnis der damaligen Küste, der Reichweite und Beladungsart der Schiffe fordernd an bislang nicht bekannten Stellen auffinden kann.

In einem anderen Projekt haben wir die Verbreitung der genetischen Haplotypen des Menschen auf historische und prähistorische Strukturen im Süden Spaniens untersucht und diese mit archäologischen Erkenntnissen der Besiedlungsformen der Glockenbecherkultur verknüpft. Schwerpunkt stellte hier die Verbreitung der Metallurgie dar, deren frühe Auswirkungen auch heute noch messbar sind.

Diese Ansätze öffnet interdisziplinäre Wege der Archäologie zum Verständnis vergangener Kulturen.

Als BfK-Mitglied mit dem Arbeitsschwerpunkt Archäologie erfüllen wir die strengen Aufnahmekriterien der Sektion „Geschäftsbereich Archäologie“ im BfK.

Ingenieurbüro für Geophysik und Historische Erkundung